Linoleum

Linoleum

besitzt viele Eigenschaften, die es als Bodenbelag auszeichnen. Seine Basiszusammensetzung und technischen Eigenschaften sind national und international normiert. Die wichtigste Norm für Europa stellt EN 548 (Elastische Bodenbeläge - Spezifikation für Linoleum mit und ohne Muster.) in der letzten Fassung von 20. September 2004 dar, die mit zahlreichen weiteren Normen zur Qualität von Sonderformen, Verlegetechniken und anderem verknüpft ist.[6] Nach dieser Norm ist Linoleum nach Art des Bindemittels definiert: Es muss aus Leinöl und/oder anderen trocknenden Pflanzenölen und Harzen bestehen, und der Mindestanteil an Füllmitteln (Kork-, Holzmehl) muss 30 % betragen.
Technische Eigenschaften
Hauptvorteil des Linoleums ist seine Widerstandsfähigkeit gegen mechanische und chemische Beanspruchungen. Unter genormten Bedingungen (23 °C, 50 % relative Luftfeuchtigkeit) darf nach 150 Minuten Belastung und weiteren 150 Minuten Entlastung eine Eindrucktiefe von 0,15 Millimeter bzw. bei Materialien über 3,2 mm von 0,2 mm nicht überschritten werden.
Linoleum kann nach der für den Brandschutz zugrundeliegenden DIN 4102 als schwer entflammbar (Baustoffklasse B1) bzw. normal entflammbar (Baustoffklasse B2) eingestuft werden. Dies entspricht den europäischen Brandschutzklassen Efl bzw. Dfl. Als Sonderfertigung kann Linoleum allerdings auch in schwerer entflammbaren Qualitäten bis Bfl erzeugt werden. Die nach der EN 1399 geforderten Eigenschaften zur Beständigkeit gegenüber brennenden Zigaretten, die vor allem bei Bodenbelägen im Publikumsbereich wichtig ist, sieht vor, dass das Material beim Ausdrücken keine und beim Abbrennen einer Zigarette nur leichte Farbveränderungen aufweisen darf.
Des Weiteren ist Linoleum beständig gegenüber einer ganzen Reihe von Säuren und Lösungsmitteln sowie gegenüber anderen Chemikalien. Dazu gehören zum Beispiel Benzin, Ethanol, Öle, sowie die meisten waschaktiven Substanzen. Sehr empfindlich ist das Material allerdings gegen Alkalien mit einem pH-Wert über 9 wie zum Beispiel Seife oder Ammoniak.
Hygienische Eigenschaften
Linoleum ist antistatisch, leicht fungizid und bakteriostatisch (hemmt also Bakterien-Wachstum). Ursache ist die permanente Emission geringer Mengen verschiedener Aldehyde (Hexanal, Acrolein, Acetaldehyd usw.), die aus der praktisch nie endenden Leinölautoxidation an der Luft stammen oder Reste der Oxidationsreaktion im Herstellprozess („Reifeprozess“) sind. Dieser Effekt hat dazu geführt, dass Linoleum als bevorzugter Bodenbelag in Gebäuden mit erhöhten Hygieneanforderungen verwendet wurde und auch heute noch wird.
Reifeschleier
Linoleum entwickelt durch Dunkelvergilbung einen typischen „Reifeschleier“. Es handelt sich hierbei um eine Farbverschiebung, die bei dunkel gelagertem Material vorkommen kann. Der Reifeschleier und die Farbverschiebung sind abhängig von der Linoleumfarbe. So verschieben sich Blau und Grau in Richtung Grün und Beige in Richtung Gelb.
Abgebaut wird dieser Reifeschleier durch Licht. Eine einstündige Beleuchtung im Freien durch helle Mittagssonne reicht bereits aus, um ihn vollständig abzubauen, dunklere Lichtverhältnisse verzögern den Prozess, in vergleichsweise dunklen Wohnungen kann er teilweise auf Wochen verlangsamt sein. Bei ungleichen Lichtverhältnissen kann es zu Farb- und Helligkeitsunterschieden bei verlegtem Linoleum kommen, so genannten Belichtungsvorsprüngen. Eine vollständige Anpassung kann Wochen in Anspruch nehmen.
Linoleum mit speziellen Eigenschaften
Sportlinoleum bzw. Linodur ist die bekannteste und erfolgreichste Spezialform des Linoleums
Linoleum wird auch für verschiedene Spezialanwendungen produziert. So wird zur Verwendung in Bereichen, in denen mit elektrosensiblen Bauteilen gearbeitet wird, ein Bodenbelag verlangt, der keine elektrostatische Aufladung ermöglicht. Er muss entsprechend leitfähig sein und häufig zudem eine Standortisolierung durch einen hohen Oberflächenwiderstand aufweisen. Solche Beläge werden vor allem in Bereichen eingesetzt, in denen elektronische Bauteile gebaut, fernmeldetechnische Anlagen oder Rechenzentren betrieben werden. Auch Räume mit hoher Explosionsgefahr wie für die Feuerwerksherstellung erfordern elektrisch leitfähige Fußböden, um keine Zündung durch elektrostatische Aufladungen zu provozieren. Das Linoleum wird hier auf einem Ableitsystem mit Kupferbändern verlegt und eigens dafür konstruierte Elektromotoren sorgen für die Erdung.
Eine weitere Spezialanforderung ist verstärkte Schall- und Trittschallreduzierung. Diese wird durch Zusatzstoffe im Bodenbelag (weichfedernder Bodenbelag) oder einen speziellen Untergrund (schwimmender Estrich) erreicht.
Hochstrapazierfähiges Linoleum ist insbesondere in Turnhallen zu finden. Mit einer Dicke von 4 mm ist es besonders dick und wird vor allem auf flächenelastischen Böden aufgebracht. Es wurde bereits vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt und auf Kriegsschiffen eingesetzt, wodurch es den Beinamen „battle ship linoleum“ erhielt.